Risolier 20. September 2011 von

Schön und gut! Aber auch fair und gut?

Ein paar Gramm Reis für 10 Euro? Ein Wahnsinn! Eine Abzocke! Affig! (Kundenzitat)

Lotao, der „Apple unter den Reissorten“ (ebenfalls Kundenzitat), stößt bei manchen Konsumenten sauer auf. Ist es nur ein schöner, leerer Glanz, der uns zum Kaufrausch verleiten soll? Oder was steckt eigentlich hinter den schwarz-gelackten Hüllen?

Allen voran der Name: Lotao heißt so viel wie „Gold der Völker“. Es setzt sich aus dem kreolischen „Lo“ und „Tagolog“ zusammen. „Gold der Völker“ bedeutet nicht, dass der stolze Lotao-Gründer in drei Jahren dank regen Geldsegens mit dem Ferrari auf Urlaub zu fahren plant. Der Name ist vielmehr eine Verbeugung vor einem Lebensmittel, das in den hiesigen Markt-Regalen oftmals ein tristes Dasein fristet und von uns nur wenig Beachtung findet. Ein Korn, das rund 80% der Menschheit ernährt, das von einer unglaublichen aromatischen Vielfalt und Schönheit ist, sollte mehr für uns sein als eine Beilage, über die eine glutamathältige Soße gekippt wird.

Das – im Namen Lotao bereits verankerte – hohe Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem lebensspendenen Nahrungsmittel Reis bildet die Grundlage für die gesamte Wertschöpfungskette, entlang derer Lotao agiert.

Es ist uns sehr wichtig, unsere Reis-Spezialitäten unter für die Produzenten fairen Bedingungen zu erwerben. Da nicht jeder Produzent über eine Zertifizierung verfügt, haben wir vor der Auswahl der Reissorten ein Prüfverfahren eingeleitet, bei dem v.a. die Fair-Trade und Bio-Kriterien abgefragt wurden. Drei Sorten sind im Herkunftsland fair trade und/oder bio-zertifiziert (Sparkling Volcano Terra, Wizard of Laos und Royal Pearl Black schwarzer Reis), bei den anderen Sorten sind uns die Hersteller bekannt bzw. sind wir im persönlichen Kontakt mit den Händlern. Unser Ziel ist es, die Bedingungen und unsere Beschaffungsprozesse im Sinne sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit laufend zu optimieren.

Das wahre Gold der Völker sieht anders aus!
Das wahre Gold der Völker sieht anders aus!

Das Thema Nachhaltigkeit ist beim Produkt Reis jedoch nicht ganz unumstritten: Alleine der Wasserverbrauch liegt bei durchschnittlich 3.400 Liter pro kg Reis. Damit ist Reis zwar noch weniger wasserintensiv als Rindfleisch (15.500 Liter/kg) oder Käse (5.000 Liter/kg), aber dennoch ist dieser Verbrauch recht beachtlich. Gerade aus diesem Grund ist es für uns wichtig, alternative Anbau-Methoden bzw. alte und seltene Reissorten zu fördern, die zwar oft weniger ertragreich sind, aber aromatisch meist spannender bzw. ökologisch sinnvoller.

Das Beispiel „Sparkling Volcano Terra“ – Reis verdeutlicht dies besonders gut: Der Reis entstammt aus einem Zusammenschluss von über 2300 Kleinbauern aus Indonesien. Diese Bauernkooperative ist der einzige Anbieter für indonesischen Fair-Trade Bioreis. Die Farmer werden im Rahmen des Projekts intensiv und regelmäßig von Fachkräften geschult. Aufgrund des vulkanischen Anbau-Gebietes ist der Reis reich an Mineralien. Er wird mit Bergquellwasser natürlich bewässert und nach einer völlig neuen Anbau-Methode produziert, dem SRI-System (System of Rice Intensification). Dieses wurde von den Bauern mit Unterstützung der Cornell Universität USA entwickelt. Die Kriterien von SRI sind strenger als die des üblichen Bio-Anbaus. Es werden jüngere Setzlinge (6 Tage bei SRI, 30 Tage bei Bio) in größeren Abständen gepflanzt, um so kräftigeres Wurzelwerk zu erzielen. Das Reisfeld wird nicht geflutet bzw. gewässert, um durch den geringeren Methan-Ausstoß die Produktion klimafreundlich zu halten. Das Wachstum der Wurzeln und die Aufnahme von Nährstoffen werden durch den selbst produzierten Biodünger gefördert.

Mindestens ebenso wichtig wie die ökologische Nachhaltigkeit ist für uns die soziale Nachhaltigkeit: Aus diesem Grund arbeiten wir mit den Mosaik Behindertenwerkstätten Berlin zusammen. Diese Einrichtung unterstützt uns in der Konzeption der Verpackungen, im gesamten Logistik-Bereich bis hin zum Versand der Produkte.

Fazit: Lotao ist kein Industrie-Unternehmen. Für uns ist es persönlich wichtig,  sehr kleine, handverlese Mengen zu fairen Preisen und dort, wo es möglich ist, in zertifizierter Bioqualität zu erwerben. Wir verkleiden diese Lebensmittel per Hand mit einer Verpackung, die der Besonderheit und dem Stellenwert dieses Produktes gerecht wird. Im Umfeld einer „Geiz-ist-Geil-Mentalität“ und einer zunehmenden Reizüberflutung ist dies nicht immer einfach, doch wir bestreiten diesen Weg im Sinne jener Menschen, für deren Produkte wir die Verantwortung übernommen haben. Sowie für jene, die sich gemeinsam mit uns auf diese spannende Reis-Expedition begeben.

Für Maria

3 Replies to “Schön und gut! Aber auch fair und gut?”

  1. „Geiz ist geil“ mag ja den einen oder anderen Dumbie noch ansprechen. Gemeint sind natürlich Leute, die sich diese Preiskategorie leisten können, nicht die, die mit Niedriglöhnen wenig Wahl haben beim Einkauf und jeden Cent umdrehen müssen. Wir anderen versuchen einfach, mit unserem Kaufverhakten das wenig Verantwortung zu übernehmen, was uns als Konsumenten noch möglich ist.

    Toller Beitrag!

  2. „Drei Sorten sind im Herkunftsland fair trade und/oder bio-zertifiziert …“
    Da dies mich und sicher auch andere interessiert, die auf Qualitätsprodukte schauen, wäre es schön, wenn diese Zertifikatsinfo auch irgendwie z.B. bei den Produktinfos auftaucht. Ich bin jedenfalls mehr durch Zufall (sprich: beharrliches Weiterlesen auch alter Posts) gerade auf diesen Blogthread gestossen …

    (Vielleicht bin ich aber auch nur blind … ;-))
    Generell hätte ich gerade zu diesem (Bio-/Öko-)Thema mehr Informationen bei allen Produkten (z.B. was ist mit den Bestandteilen der Elixire, der Perfectioner). Das wäre vielleicht auch ein allgemeines Kapitel wert im Bereich „Über uns“ oder „Philosophicum“. Das einfache Stichwort ‚Qualität‘ nimmt ja heute jeder in den Mund, auch ein Billighersteller oder ein Fastfoodladen.

    Ansonsten schön aufgemachte Seite und interessant!

  3. Gerade wer wenig Geld hat, kann sich mit teurem Reis (auch teuren Nudeln od.teuren Kartoffeln) sehr billig ernähren. Er braucht nur noch ein wenig Butter oder Öl, dazu Gemüse, Salat oder Obst, einen schön gedeckten Tisch, gute Musik oder Gespräche. Er braucht für sein weniges Geld kein billiges Fleisch oder billigen Fisch, keine pampigen Soßen oder sonstige dubiose „Beilagen“ .

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