Entdeckungen 4. August 2012 von

You don´t have to be the best one.

You have to be the only one.

Der Minister ist ein weiser Mann. Sonst wäre er auch wohl kein Minister. Seine Sprüche erinnern mich an jene europäischer Politiker. Also doch kein Kulturunterschied? Emily, die diesen Termin koordiniert hat, blickt auf die Vertreter der Bauern. Für die 7-köpfige Delegation ist der Termin etwas ganz Besonderes, da sie seit langem ihr Anliegen vorbringen möchten: Es geht um die Mitsprache der Bauern bei der Festlegung der Reispreise. Ich beginne meine Präsentation über Lotao, erzähle von unseren Projekten und über die Verbindung von Genuss und Öko-Tourismus. Das Reisen, mein Fachgebiet aus einem früheren Leben, lässt mich nicht los.

The only one?
Kindheitsträume werden wahr..

Eine Packung Oriental Sensation Smoked Reis steht vor dem Minister. Er fragt mich, ob er sie öffnen darf und riecht an dem feinen Basmati.  Plötzlich hat er das Gesicht eines Kindes: Er erinnert sich an den geräucherten Reis seiner Großmutter, den die Familie zufällig entdeckt hatte: Der Reis wurde über dem Holzofen aufbewahrt und ungewollt über Monate hinweg geräuchert. Als man das veränderte, hölzerne Aroma entdeckte, beschloss die Familie: Diesen Reis dürfen die Kindern nicht bekommen. Dieser Reis ist etwas Besonderes und daher nur der alten Großmutter vorbehalten.

Ich bin überrascht, die Tradition des Reis-Räucherns nicht nur in Indien, sondern auch in Indonesien anzutreffen. Zurückgekehrt aus seinen Kindheits-Erinnerungen, zeigt sich der Minister kämpferisch: Er möchte uns unterstützen, in dem er weitere innovative Produkte und traditionelle Reis-Sorten fördert.

Die Delegation hört zu und schweigt. Die Bauernvertreter sind gekommen, damit ihre Gruppierung im Gremium zur Festlegung der „reference prices“ für Reis ein Mitsprache-Recht erhält. Man muss kein indonesisch verstehen, um sofort zu kapieren: Die Forderung wird salopp vom Tisch gewischt. Die Bauern sollten Bio-Produkte produzieren. Innovationen mit kreativen Marken sind gefragt. Die Vertreter hören zu, nicken. Ich frage mich, warum die Delegation dies alles hinnimmt. Warum sie scheinbar unvorbereitet in ein solch wichtiges Gespräch kommt. Warum keiner seine Hand hebt und fragt: Kann Bio-Reis alleine unsere Bevölkerung ernähren? Wie sollen wir Übergangsfristen überleben? Woher sollen die Bauern ihr Marken-Know-How für Innovationen bekommen?

Zufriedene Gesichter...
Zufriedene Gesichter…

Emily klärt mich auf: Es liegt in der Kultur, nicht zu widersprechen und zu schweigen. Was der Minister sagt, das gilt. Ich überdenke plötzlich mein Verhalten und frage mich, wie die Bauern mein lautes Lachen und meine Zwischenfragen an den Minister erlebt haben mussten. Auch wenn sie den kulturellen Unterschied vielleicht nicht einordnen konnten – dem Minister scheint es gefallen zu haben. Beim Abschied schüttelt er begeistert meine Hand. You know, sometimes you have to be the only one…

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