Risolier 16. September 2014 von

(K)eine Chance für Reisprojekte?

Was haben Unternehmen wie BASF, Bayer, der Saatguthersteller Europlant oder das Chemieunternehmen Syngenta gemeinsam? Sie alle gehören dem German Food Partnership (GFP) an – eine im Jahr 2012 gegründete Organisation, die nachhaltige Agrar-Projekte fördert. Zwei Hauptprojekte des German Food Partnership sind “Reis in Afrika” und “Reis in Asien” – dies als Anlass für eine kritische Betrachtung:

A new vision for agriculture

Alles begann im Jahr 2010, als das World Economic Forum einen Beschluss zur “grundlegenden Veränderung der landwirtschaftlichen Produktionssysteme“ fasste. Ziele waren u.a. die Reduktion klimaschädlicher Emissionen und der Rückgang der Zahl in Armut lebender Menschen. Kleinbauern sollten gefördert, Lebensmittelverschwendung bekämpft und Nutzflächen verantwortungsvoll ausgeweitet werden.

Die German Food Partnership (GFP) wurde daraufhin mit dem Ziel gegründet, gemeinsame Wertschöpfung zu schaffen und innovative, nachhaltige Ansätze zu fördern. Doch: Unternehmen des ökologischen Landbaus sind bis heute in der German Food Parntership nicht vertreten. Die International Federation of Agriculture Movement (IFOAM) ist nicht eingebunden. Verweise auf alternative, nachhaltige Anbaumethoden wie System of Rice Intensification (SRI) finden sich nicht. Auch sind keine Organisationen, die Standards und Leitlinien festlegen, wie z.B. das „East African Organic Products Standard“ Partner der GFP.

Viel Geld für Weltverbesserung und Nachhaltigkeit?

Die Organisation Oxfam gibt an, dass für die Projekte der German-Food-Partnership insgesamt 80 (!) Millionen Euro bereitgestellt werden sollen. Auf die beiden betroffenen Reis-Projekte fallen davon ca. 36 Mio Euro – wobei u.a. Produktivitätssteigerung und Schulungsmaßnahmen für Bauern im Vordergrund stehen. Zu diesem Zweck werden sogar Fernsehkampagnen in den asiatischen und afrikanischen Ländern geschaltet.

German Food Partnership - Quo vadis?
Wer wird dieser Reisbäuerin was erzählen?

Die Teilnahmekriterien für Projektpartner sind angesichts der attraktiven Fördermittel relativ schwach definiert. Via Internetrecherche und Selbstauskunft (Fragebögen) werden die Partner geprüft – der Nachhaltigkeitskodex findet keine Erwähnung. Im Leitfaden der GFP werden sieben Bedingungen für den Zugang zu Ressourcen und Investitionen aufgeführt – das Thema Saatgut findet dabei interessanterweise keine Erwähnung. Angaben zur Unabhängigkeit der Umweltprüfung und Projektkontrolle fehlen.

Die betroffenen Projekte beinhalten auch Regeln und Forderungen zum Thema Einsatz von Pestiziden. Die teilnehmenden Unternehmen werden in ihren zu unterzeichnenden Teilnahmebedingungen mit keiner dieser Forderungen konfrontiert. In den Bedingungen sind lediglich die allgemeinen Zielsetzungen und die operativen Bedingungen, sowie Vertraulichkeitsregeln aufgelistet.

Die Projektteilnehmer werden durch keine Klausel vor Abhängigkeiten geschützt. Zwar gibt es eine „Zusage auf Wahlfreiheit“ und unabhängige Trainings – doch zur Ausgestaltung der Trainings (Akteure, Institutionen, Regeln, Ausschlusskriterien, etc.) finden sich keinerlei Angaben.

Neben diesen vertraglichen Mängeln ist v.a. der fehlende Einbezug von Kleinbäuerinnen und –bauern bzw. deren Organisationen zu kritisieren. Auch wurden bisher keine begleitenden Untersuchungen durchgeführt, inwieweit die geförderten Ansätze zur Zielerreichung tatsächlich beitragen (Recht auf Nahrung, Förderung kleinbäuerlicher Landwirtschaft…).

Als Konsequenz fordern Organisationen wie Oxfarm, die Projekte dringend auf ihre soziale und ökologische Nachhaltigkeit zu prüfen. Aufgrund des mir vorliegenden Datenmaterials kann ich mich dieser Forderung nur anschließen – damit zumindest eine Chance besteht, dass der positive Grundgedanke des World Economic Forums im Sinne aller Menschen und aller ihrer Lebensräume umgesetzt wird.

Weiterführende Links:

German Food Partnership http://www.germanfoodpartnership.de

Rat für Nachhaltige Entwicklung www.nachhaltigkeitsrat.de

Oxfam Deutschland www.oxfam.de

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