Rangoli: Malen mit Reis

Wenn eine indische Hausfrau am frühen Morgen in eine kleine Pulverschale greift, muss dies nicht unbedingt bedeuten, dass sie sich schminken möchte. Denn in vielen, vor allem südindischen Gegenden, treten die Frauen in der Früh vor die Haustüre, bücken sich und beginnen mit Reispulver ein komplexes Muster auf dem Boden zu zeichnen. Die dabei entstandenen Flächen werden danach mit Farbe aufgefüllt, oder einfach belassen wie sie sind.

 

Da diese Tätigkeit täglich durchgeführt wird, haben die Frauen Routine darin und können selbst komplexe „Reispulver-Muster“ in kürzester Zeit zeichnen. Zu speziellen Anlässen werden jedoch farbenfrohe, riesige Kunstwerke, freihändig und ohne Vorlagen, angefertigt.

Diese als „Ragnoli“ bezeichnete Tradition soll dem Haus und der Familie Glück bringen. Neben dem Pulver aus gemahlenen Reis wurden auch die Farbpulver aus natürlichen Stoffen gewonnen, wie z.B. aus grünen Blättern oder Curcuma. Leider werden heute bereits viele künstliche Farben verwendet, das Reispulver ist allerdings weiterhin fixer Bestandteil der Ragnoli.

Als Risolier finde ich dieses kulturelle Phänomen besonders beeindruckend. Kunst mit und durch Reis – wer mehr darüber wissen möchte – in einen früheren Blog-Beitrag berichte ich über die japanischen Tradition Tambo Art, bei der im Reisfeld Bilder durch den Anbau verschiedener Reissorten entstehen.

Reis, ein Lebensmittel, von dem und mit dem die Menschen in Asien leben…

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