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Reiskult in Bali

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Vielen ist Indonesien vor allem durch die Insel Bali ein Begriff. Selbstverständlich darf ein Besuch der beliebten Urlaubsinsel auch bei meiner Reis-Reise nicht fehlen. Anders als für die meisten Touristen stand für mich der Strandurlaub dabei nicht im Vordergrund. Denn Reis spielt auf Bali eine herausragende Rolle und hat einen tief verwurzelten kulturellen Stellenwert. Die balinesische Gesellschaft ist stark von der Reislandwirtschaft geprägt, und Reis in Bali wird nicht nur als Grundnahrungsmittel betrachtet, sondern auch als Symbol für Leben, Fruchtbarkeit und spirituelle Verbindung zur Natur. An dieser Stelle möchte ich etwas mehr über den balinesischen Reiskult ausführen.

Tempel im Reisfeld

Die Reisfelder in Bali werden von kleinen Tempeln umzäunt

Die hinduistische Bevölkerung Balis pflegt rund um das Reiskorn faszinierende religiöse und kulturelle Traditionen.  Im Zentrum ist das sogenannte Subak-System, das auf das 9. Jahrhundert zurück geht. Dieses System verbindet die beiden wertvollsten Güter Balis, das Wasser und den Reis. Das kühle Nass fließt durch eine Tempelanlage, wird geweiht und anschließend auf die Felder der Bauerngemeinde verteilt. Zahlreiche kleine Tempel begrenzen jedes Feld, denn im traditionellen Reisanbau wird fast jeder Anbau-Schritt von religiösen Ritualen begleitet. Subak ist eine genossenschaftliche Landwirtschaftsform, bei der die Bewässerung der Reisterrassen gemeinschaftlich organisiert wird. Dieses System fördert die Zusammenarbeit und das soziale Miteinander in den Dörfern und symbolisiert den balinesischen Glauben an Harmonie und Gleichgewicht in der Gesellschaft.

Die Bedeutung von Reis für Kunst und Kultur

Reis wird in religiösen Zeremonien und Opfergaben an die Götter verwendet. Während der wichtigen hinduistischen Feste und Tempelzeremonien auf Bali, wie beispielsweise Galungan und Kuningan, werden spezielle Reisopfergaben, genannt „Banten“, hergestellt und dargeboten. Reis gilt als heiliges Nahrungsmittel und symbolisiert die Verbindung zwischen Mensch und Göttlichkeit. Auch in vielen balinesischen Riten und Traditionen ist Reis präsent. Zum Beispiel werden Reissaat und Ernterituale durchgeführt, um eine gute Ernte und Wohlstand zu erzielen. Während der Hochzeitssaison ist das „Mecaru“-Ritual ein bedeutendes Ereignis, bei dem das Brautpaar symbolisch Reiskörner wirft, um den Segen der Götter für eine fruchtbare Ehe zu erbitten. Reis dient auch als Inspiration für das traditionelle balinesische Kunsthandwerk. Reisfelder und -terrassen werden in vielen Gemälden, Skulpturen und Textilien dargestellt. Dies spiegelt die enge Verbindung der balinesischen Künstler zur Natur und zur landwirtschaftlichen Lebensweise wider.

Touristen im Reisfeld

Die Reisernte ist ein gemeinschaftliches Ereignis, bei dem Dorfbewohner zusammenkommen, um die Felder zu bestellen und die Ernte einzubringen. Diese Arbeit wird oft von Liedern, Musik und Tanz begleitet, was den Zusammenhalt und den sozialen Austausch in der Gemeinschaft stärkt.

Diese geradezu spirituelle Aura wird  auf den UNESCO Reisterrassen durchbrochen – denn hier laufen zahlreiche Urlauber zwischen den Feldern, um mit Handys und Kameras fröhliche Urlaubsfotos zu schießen. Die Kehrseite des Tourismus wird einmal mehr deutlich – denn vermutlich werden die Hotel- und Restaurantmeilen den Reisanbau auf Bali so verdrängen, dass dieser eines Tages hier nur mehr als Touristenattraktion dienen wird.

Ein erstes Indiz dafür ist vielleicht die vielgepriesene Reis-Göttin Dewi Sri. Diese konnte ich nämlich leider nicht im Reisfeld entdecken, sondern nur auf einer Flasche Reis-Schnaps. Die Göttin macht also auch vor hochprozentigem nicht Halt, wenn es darum geht, die Touristen zu begeistern.

Dennoch bleibt zu hoffen, dass der Anbau von Reis auf Bali weiterhin mehr als nur eine landwirtschaftliche Praxis bleiben wird. Reisanbau ist eng mit der balinesischen Kultur, dem Glauben und den Gemeinschaftswerten verbunden. Reis symbolisiert seit jeher auf Bali die Wichtigkeit von Zusammenarbeit, Spiritualität und Nachhaltigkeit für das balinesische Volk und ist ein integraler Bestandteil ihrer Identität. Dieser Bedeutung sollte auch im Sinne eines nachhaltigen Öko-Tourismus Rechnung getragen werden.

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